Mittwoch, 18. Januar 2012

Polizei stürmt falsches Haus: Strafanzeige gegen Bewohner

Beamte werfen Vater vor den Augen seiner Familie zu Boden, entschuldigen sich und erstatten dann Anzeige.

SYB SEK Polizei
Großbild dpa - Ein SEK der Polizei vor dem Erstürmen einer Wohnung (Archivbild).

Vohwinkel. Erst gab es für Martin Hanse (Name von der Redaktion geändert) einen Blumenstrauß als Entschuldigung, weil Polizisten in der Nacht zu Donnerstag, 12. Januar, fälschlicherweise seine Wohnung stürmten, – dann folgten zwei Strafanzeigen gegen ihn: wegen Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Eine Zeugin nannte den Beamten die falsche Adresse

Rückblick: Anwohner hatten sich bei der Polizei über laute Nazi-Parolen im Bereich Wrangelallee/Schlieffenstraße beschwert. „Vor Ort nannte eine Zeugin den Beamten die Adresse, die sich erst im Laufe des Einsatzes als falsch erwies“, erklärt Polizeisprecher Alexander Kresta. Im Flur hörten die Polizisten in der oberen Etage ein lautes Türknallen. Was dann passiert, wird von den Beteiligten unterschiedlich geschildert. Martin Hanse öffnete die Tür, „nachdem es bei uns Sturm klingelte“, im Bademantel und nach eigenen Angaben schlaftrunken, weil seine Frau, seine beiden Kinder und er bereits zu Bett gegangen waren. „Zwei Männer stürmten die Treppe herauf. Ich bin von gewaltbereiten Straftätern ausgegangen und schlug die Tür wieder zu.“ Die Männer wären nicht als Polizeibeamte zu erkennen gewesen. Kresta sagt dazu: „Es waren zwei Beamte in zivil vor Ort, die vorangegangen sind. Sie hatten aber eine Polizei-Binde um den Arm.“ Außerdem wären gleich hinter ihnen acht Uniformierte gewesen, die mehrmals „Polizei, Polizei“ gerufen hätten.

Seine Tochter hätte alles mit ansehen müssen

Martin Hanse will das nicht gehört haben und griff das Nächstbeste, wie er sagt eine Kettenhundeleine, um sich und seine Familie zu verteidigen. Als er dann wieder die Tür öffnete, sei alles ganz schnell gegangen. „Ich wurde sofort gepackt und zu Boden geworfen.“ Ein Schuhregal ging zu Bruch. Er sei brutal festgehalten worden. Seine Tochter (16) hätte alles mit dem Hund auf dem Arm beobachten müssen.

Zu dieser Szene will Kresta keine detaillierten Angaben machen: „Aufgrund von Disziplinarverfahren und noch laufenden Strafanzeigen kann ich dazu nicht viel sagen.“ Er gibt aber zu: „Es kann sein, dass sich der Mann erschrocken hat.“ Aber: „Sein Verhalten hat nicht gerade dazu beigetragen, dass sich die Situation beruhigt.“ Mit der um seine Faust gewickelten Kette, hätte er die Beamten schließlich bedroht.

Als sich die Situation auflöste, und klar war, dass der Mann im Bademantel nicht der mutmaßliche Parolen-Rufer war, gab es eine Entschuldigung und laut Kresta ein „längeres Gespräch“. Für Familie Hanse ist die Verwechslung allerdings nicht zu entschuldigen. „Ich hatte starke Schmerzen und war noch in der Nacht im Krankenhaus.“

Ein Blumenstrauß als Entschuldigung reiche nicht aus

Auch der Blumenstrauß, den Beamte am nächsten Tag vorbrachten, ändere nichts an den Geschehnissen, so Hanse. Zumal man ihn jetzt wegen Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt angezeigt hätte. Ob die Beamten in diesem Fall nicht darauf hätten verzichten können? „Nein“, sagt Kresta. Sie seien aufs Übelste beleidigt worden und: „Wir haben Strafverfolgungszwang.“ Martin Hanse hat ebenfalls Anzeige erstattet: „Gegen den misshandelnden Beamten.“
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